Zu jeder Schwangerschaft gehört eine Hebamme!
Deine Tagmond-Hebamme, betreut dich individuell und ganzheitlich während Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett
Im Rahmen meiner Hebammenausbildung an der Berner Fachhochschule, bekam ich die Möglichkeit während zwei Wochen Geburtshaus-Luft im Tagmond in Pratteln zu schnuppern. Nach meinem zehnwöchigen Spitalpraktikum in einem Spital mit 2200 Geburten pro Jahr, wurde ich überwältigt von meinen Eindrücken und Erlebnissen dort. Ich bin zu tiefst beeindruckt von der Arbeit, die diese Hebammen leisten.
Als Einstimmung einige Stichworte die mir in Gedanken an meine Zeit im Geburtshaus Tagmond spontan einfallen:
Liebevolle Kontakte, Zeit, Geduld, Vertrauen, Respekt der Frau, Natur und dem werdenden Leben gegenüber, ganzheitliche und individuelle Betreuung - kein Schema x gilt für alle , Kontinuität, Ressourcen- und bedürfnisorientiert, Herzlichkeit, rund um die Uhr Abrufbar-sein.
Am 7. März habe ich den Informationsabend besucht. Es kamen etwa sechs Paare. Sofort fühlt man sich willkommen geheissen. Die Atmosphäre war unbeschreiblich und einfach nur schön. Die Hebammen wirkten auf mich so menschlich und waren mir sofort sympathisch. Es war sehr schön zu beobachten wie jedes einzelne Paar persönlich begrüsst wurde und im Anschluss mit ihnen gesprochen wurde. Alles was die beiden Hebammen an der Information erzählten, wirkte authentisch. Ich fand es toll gestaltet, wie das Erzählte mit Fotos von ihrer Arbeit unterstützt wurde. Ein Paar, welches selbst die Erfahrung einer Geburtshausgeburt machen durfte, kam vorbei und erzählte von ihrem Erlebnis. Die Interessierten wurden durch die Räumlichkeiten geführt und durften all ihre Fragen stellen. Ich habe mich sofort wohl gefühlt. Pflanzen und Bilder vermitteln ein „sich-wie-zu Hause-fühlen“.
Ein wichtiges Thema des Abends war die Sicherheit. Gut haben die Hebammen informiert, welche Kriterien erfüllt sein müssen, damit eine Frau im Geburtshaus gebären kann. So dürfen es zum Beispiel keine Zwillinge sein und das Kind muss am Geburtstermin mit dem Kopf nach unten liegen. Sie erläuterten wie ihre Zusammenarbeit mit Frauen- und Kinderärzten, sowie Spitälern funktioniert. Das Geburtshaus ist rundum abgesichert, nur dass die Technik dort nicht überhandnimmt. So ist beispielsweise der Sauerstoff für das Neugeborene in der Schublade versorgt und wird erst vor der Geburt bereitgelegt. Oder der Infusionsständer und die Saugglocke stehen hinter einem Vorhang. Auch alle Medikamente sind vorhanden, aber es wird nicht schon ohne Grund jeder Frau einen Infusionszugang gelegt. Die Offenheit, Wärme, Natürlichkeit und Herzlichkeit, die ich erfahren und spüren durfte hat mich schon da begeistert.
Die drei Hebammen Bernadette, Herta und Magdalena haben all meine Erwartungen bei weitem übertroffen. Geburtsvorbereitungskurse für Paare im Geburtshaus und im Sole uno in Rheinfelden, Rückbildungskurse, Schwangerschaftskontrollen, Wochenbettbesuche bei den Familien zu Hause und sogar drei Geburten im Geburtshaus durfte ich miterleben. Bei all dem war ich beeindruckt, was für eine persönliche Beziehung zwischen Hebamme, Frau und Partner aufgebaut wurde. Die Hebamme hatte immer Zeit zuerst einfach nach dem Allgemeinzustand und ihrem Wohlbefinden zu fragen. Die Frau durfte einfach erzählen, was ihr auf dem Herzen lag. Und die Hebamme hatte ZEIT! Es war schön so vertrauensvolle Beziehungen mitzuerleben. Alle Frauen wurden sehr ernst genommen, was ich als äusserst wichtig betrachte.
Im Spitalalltag sind häufig Routinemassnahmen notwendig, da keine Vertrauensbeziehung vorhanden ist und sich Hebamme und Frau bei der Geburt oft zum ersten Mal begegnen. Es ist verrückt, wenn man bedenkt, dass bei einer Geburt die Entspannung ein wesentlicher Bestandteil ist, der ohne Vertrauen massiv erschwert wird. Es ist schwierig sich hingeben, loslassen, sich öffnen und schliesslich zu gebären unter solchen Voraussetzungen. Kann eine Frau sich in der Klinik nicht entspannen, wird oftmals eine Periduralanästhesie gelegt. Nicht selten hat dies eine Saugglockengeburt zur Folge.
Weiter wird heutzutage im Spital relativ viel die Geburt eingeleitet, einfach weil der Geburtstermin vorbei ist. Mehr als nur einmal, habe ich im Spital miterlebt, dass die Geburt bei nur knapper Terminüberschreitung eingeleitet wurde, obwohl für das Kind im Bauch der Mutter kein Risiko bestanden hat. Häufig enden solche Einleitungen in einer Spirale von Erschöpfung der Mutter, PDA, Wehenmittel, Fehleinstellungen, Herztonabfälle bis hin zur Saugglockengeburt oder dem Kaiserschnitt.
Bei mindestens zwei Frauen, die ich in der kurzen Zeit im Geburtshaus erleben durfte, wurde mit Geduld abgewartet und sorgfältig überwacht, bis die Geburt von selbst begonnen hat. Ich bin überzeugt, dass diese beiden Frauen, wären sie nicht im Geburtshaus gewesen, nicht an einer Einleitung vorbeigekommen wären. Trotzdem ist zu betonen, dass die Hebammen kein Risiko eingehen. Sie überwachen die Frau gleichermassen häufiger über den Termin und verweisen sie falls nötig zum Frauenarzt für einen Ultraschall zur Fruchtwasserkontrolle.
Die Hebammen machen während der Schwangerschaftskontrollen alles was ein Arzt auch machen würde, ausser dem Ultraschall. Die Hebamme ist Fachfrau dafür, die Abweichung zu erkennen und die regelrichtige Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett eigenständig zu betreuen. Der wichtigste Unterschied zum Frauenarzt ist, dass die Hebammen mindestens eine Stunde für die Frauen Zeit haben. Damit auch ein Gespräch und das Erzählen über das Allgemeinbefinden Platz haben. Die Hebammen haben ausserdem Tipps für alles und jeden. Oftmals nützen bereits Hausmittelchen, Homöopathie oder Schüssler-Salze, ohne dass Medikamente notwendig sind.
Es wird viel mit den Händen gearbeitet. So tastet die Hebamme beispielsweise den Bauch ab und erklärt auch dem Mann wie er spüren kann, wie das Ungeborene liegt. Es sind aber auch alle Geräte vorhanden, um zum Beispiel das Hämoglobin oder den Blutdruck zu messen sowie eine Herzton-Wehen-Kurve zu schreiben. Der Partner oder ältere Geschwister werden mit einbezogen und Termine werden so gelegt, dass der Mann auch trotz der Arbeit mitkommen kann.
Ich durfte erleben, wie die Frauen in ihrem Vertrauen gestärkt werden, gebären zu können. Für die Geburt, wäre das Geburtshaus sogar mit einer Saugglocke und einer Zange ausgerüstet. Dies kommt hier aber höchstens 1x im Jahr vor. Der zuständige Arzt ist ebenso auf Piquett und kann bei Bedarf von den Hebammen benachrichtigt werden. Manchmal werden sie auch erst nach der Geburt gerufen um eine Geburtsverletzung im Geburtshaus zu versorgen. Meist ist dies aber gar nicht notwendig, da von 45 Gebärenden, 31 einen intakten Damm aufweisen.
Die Frauen kriegen alle Informationen zu der Zeit, wenn sie sie aufnehmen können. Die Hebammen besucht die Familie zehn Mal zu Hause, überwacht genau gleich wie im Spital und steht mit Rat und Tat zur Seite. Stillberatung, Anleitung zur Rückbildung, Tragetuchanleitung oder Informationen zu diversen Themen sind inklusive. Der Kinderarzt besucht die Familie in den ersten Tagen zu Hause. Die Hebammen sind auch nach der Geburt rund um die Uhr für die Frauen telefonisch erreichbar. Dies vermittelt den Frauen Sicherheit. Ausserdem kann das Wochenbett so viel ruhiger gestaltet werden. Besucher kreuzen nicht einfach unangemeldet auf, wie im Spital. Die Eltern werden schnell selbständig und haben Zeit ihr Kind kennenzulernen und auf ihre Intuition zu vertrauen. Sie müssen nicht jedes Mal von vorne anfangen zu erzählen, denn ihre Hebamme kennt die Geschichte. Schade auch, dass so viele Frauen und Familien nicht wissen was sie zu Gute haben. Zu jeder Schwangerschaft gehört eine Hebamme!
Die Hebammen des Geburtshauses leisten einen enorm wichtigen Beitrag im Bereich der Prävention und Gesundheitsförderung. Es ist absurd, dass die im Vergleich zu einem Spitalaufenthalt minimen Kosten von 500.- Fr. für die Infrastruktur, nur von 4 Krankenkassen übernommen werden. Da keine Trägerschaft vorhanden ist, hängt das Tagmond momentan in der Luft!
Politisch sind zwar die Geburtshäuser den Spitälern gleichgestellt worden, bis jetzt merkt aber noch niemand etwas davon, ausser die Hebammen, die dadurch mit einem Mehraufwand an Bürokratie konfrontiert sind. Der Bund verlangt, dass verschiedene Statistiken zusätzlich abgegeben werden und dann sollten die Geburtshäuser ab 2012 Beiträge vom Kanton erhalten. Es werden auch DRGs (Fallpauschalen) für eine Geburtshausgeburt festgelegt. Die Tarife stehen jedoch noch nicht fest und es ist auch noch nicht sicher, ob diese Tarife dann wirklich kostendeckend sind. Ausserdem ist auch noch nicht klar, wie der zeitliche Mehraufwand an Bürokratie von den Hebammen erbracht werden soll. Wenn die Aufnahme auf die Spitalliste definitiv gelingt und der Bund mit den abgegebenen Daten zufrieden ist, sollten zukünftig die Infrastrukturbeiträge für alle Frauen aus den Krankenkassen gedeckt werden. Gelingt dies aber nicht, werden alle Kunden eines Tages diese Beiträge selber bezahlen müssen.
Obwohl das Tagmond es finanziell nicht leicht hat, ist es den Hebammen ein Anliegen, dass auch diejenigen Frauen, die sich diesen Infrastrukturbeitrag nicht leisten können, zur Geburt ins Geburtshaus kommen können. Für diese Fälle existiert ein Fonds.
Es stimmt mich traurig, zu wissen, dass die Zukunft des Geburtshauses zur Zeit ungewiss ist. Diese wertvolle Arbeit erfordert von den Hebammen, für jede Frau, je nach Situation 5 Wochen auf Abruf zu sein. Allerdings wollen dies nicht mehr so viele Hebammen auf sich nehmen. So braucht es jeweils auch viel Geduld geeignete Hebammen zu finden.
Ich hoffe sehr, dass sich bald ein paar Menschen finden lassen, die diese extrem wichtige Arbeit anerkennen und wertschätzen. Ich bin überzeugt, dass dieses Geburtshaus viel dazu beiträgt, dass die Region eine humane Geburtshilfe beibehält, als Gegenpol zu den ständig steigenden Kaiserschnittraten.
Nicht nur für Schwangere und Gebärende, auch Hebammenschülerinnen wie mir, gibt diese Erfahrung Kraft und Vertrauen, woraus ich in schwierigen Momenten der Ausbildung schöpfen werde. Die Erfahrung der drei und dieses immense Wissen ist so wertvoll und für mich eine einmalige Chance! Ich bin überzeugt, dass mich diese kurze Zeit weiter geprägt hat für meinen Hebammenweg. Es bereitet mir grosse Freude, dass ich beispielsweise im Bereich der Leopoldschen Handgriffe grosse Fortschritte machen durfte. Ich hatte viele Chancen verschiedenste Bäuche in den unterschiedlichsten Schwangerschaftswochen abzutasten und Kopf von Fudi zu unterscheiden. Ich durfte ganz viel profitieren und denke mehr gelernt zu haben, als während des ganzen letzten Schulblocks.
Vielen, vielen Dank Bernadette, Herta und Magdalena. Eure Offenheit und Herzlichkeit hat mich zutiefst beeindruckt. Ich bin sehr, sehr dankbar für diese Chance, einen so wertvollen Einblick erhalten zu haben. Danke, für den Aufwand und die Mühe, die ihr euch gemacht habt! Ihr seid wahnsinnig wertvolle Frauen!!!
Mein herzlichster Dank gilt auch den Frauen, Paaren und Familien, die mich so selbstverständlich an Gesprächen, Kontrollen und bei Besuchen in persönlichen und intimen Momenten, teilhaben liessen. Danke der kleinen Andrea und Ayleen, sowie dem kleinen Maël. Ausserdem deren Eltern: Es ist nicht selbstverständlich, dass ich als Schülerin diesen Moment miterleben durfte. Es war wunderschön für mich und hat mich sehr berührt. DANKE!
Bericht zum Einblickspraktikum (22.8.11-4.9.11 und etwas länger) Mirjam Kummli, Hebamme i.A.