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Erfahrungsberichte

eine Geburt im TagMond

Erfahrungsbericht


Die Geburt meiner Tochter war für mich wirklich schön, und ich bin glücklich das sagen zu können. Denn  die Geburtsberichte, die ich mir während der Schwangerschaft von Freundinnen und Bekannten angehört habe, handelten leider oft von Komplikationen und Eingriffen… Kein Wunder, dass ich schon recht früh in der Schwangerschaft mit Angst auf die Geburt geblickt habe. Bis mir eine Bekannte das Buch„Hypnobirthing“ in die Hand drückte. In dem Buch wurde plausibel erklärt, wie sehr die Angst vor der Geburt letztlich die Ursache von Komplikationen sein kann und dass eine natürliche und gleichzeitig nicht allzu schmerzhafte Geburt möglich ist.
In den letzten Monaten der Schwangerschaft habe mich intensiv mit dem Thema Geburt befasst und mich vorbereitet – und ich denke das hat sich ausgezahlt. Ich habe einen Hypnobirthing –Vorbereitungskurs besucht und bei einer zusätzlichen Einzelstunde das Entspannen-lernen vertieft. Auch zu Hause habe die Entspannungs-Übungen gemacht,
Dammmassage und Epino in den letzten drei Wochen, ausserdem Heublumen-dampfbäder, um den Damm gut vorzubereiten. Schliesslich habe ich Geburtswunschlisten geschrieben, regelmässig alle meine Fragen mit den Hebammen besprochen, schöne Geburtsmusik zusammengestellt, und bin mit meinem Partner alles durchgegangen.
Neben Hypnobirthing war die wohl wichtigste Entscheidung für mich die fürs Geburtshaus. Dass es dort keine Möglichkeiten für PDA oder Kaiserschnitt gibt hat mich vielmehr erleichtert als verunsichert. Beim ersten Geburtshaus, das ich mir anschaute, wurde ich gebeten mir Geburtsumstände vorzustellen in denen ich „maximal loslassen“
könnte. Da kam mir sofort das Bild von einem schönen, geborgenen Ort in der Natur in den Sinn, eine kleine sonnendurchflutete Lichtung im Wald, wo ich ganz alleine wäre und niemand mich sehen oder hören könnte. In der Einsamkeit und gleichzeitig Geborgenheit der Natur könnte ich wirklich loslassen. Es wäre ein fast magisches Ereignis, in meiner Vorstellung.
 

Die Geburt wie ich sie erlebte


In meinen Augen begann die Geburt gegen 2 Uhr nachts oder sogar noch etwas früher, als ich regelmässige Wehen spürte. Doch sie waren noch zu schwach und wurden im warmen Badewasser eher schwächer als stärker. Vormittags machten wir einen Spaziergang, bei dem ich mich bereits bei jeder Wehe abstützen müsste – bei meinem Partner oder an Mauern oder was auch immer grade da war. Es war ein wunderschöner, warmer Herbsttag. Zwischenzeitlich habe ich viel Zeit in der Badewanne verbracht, aber auch im Bett und auf dem Sofa. Ich konnte auch zwischendurch schlafen. Gegen vier Uhr nachmittags haben wir noch einen Waldspaziergang gemacht. Bei jeder Wehe habe ich mich an einen Baum gelehnt und mein Partner hat von hinten auf meinen unteren Rücken gedrückt – das hat mir sehr geholfen und die Schmerzen wirklich sehr reduziert. Ungefähr ab da hat die Geburt auch „offiziell“ begonnen. Zwischen den Wehen konnte ich ganz normal spazieren gehen. Später lag ich dann noch auf dem Sofa, mit einer Wärmflasche. Irgendwann wusste ich: Jetzt muss ich los, sonst kommst das Baby noch auf dem Sofa. Eine dreiviertel Stunde später kamen wir beim Geburtshaus an. Und weitere zwei Stunden später war das Baby schon da. Das wichtigste war für mich: Das warme Wasser in der Geburtsbadewanne, die beruhigende Hintergrundmusik und mein Partner, der mir mit viel Gewicht und  Kraft bei jeder Wehe auf den Rücken drücken „musste“ – nur so waren die Wehen für mich erträglich. Ich habe ruhig und tief geatmet, das war kein Problem. Es war so angenehm in der Wanne, aber auch heiss und mein Kopf und Rücken mussten gekühlt werden. Ich fand es sehr schön, dass mein Partner so einen wichtigen und aktiven Part hatte – so war es fast eine gemeinsame Erfahrung. Die letzte halbe Stunde habe ich dann viel geschrieen und gejammert, aber in keinem Moment war ich so unsicher, dass ich an der Fähigkeit meines Körpers zu gebären gezweifelt hätte, in einem Moment habe ich gedacht „wenn ich das hier durchstehen soll, brauche ich mehr Pausen“ – und sofort hatte ich den Eindruck, dass die Pausen zwischen den Wehen länger wurden und die Wehen selbst dafür kürzer. Dass mein Körper so mit mir zusammenarbeitet war eine intensive und schöne Erfahrung. Der Moment in dem die Kleine im Wasser war, erinnere ich mich so: Die Hebamme sagte, sie sei da und dann wurde sie unter Wasser zu mir nach vorne, zwischen den Beinen durchgeschoben und ich konnte sie selber hochnehmen. Am meisten erinnere ich mich an dem Moment, wo sie im Wasser zu mir gekommen ist und ich sie an mich genommen habe. Anschliessend war ich vor allem erschöpft und konnte mich gar nicht richtig freuen, zumindest war ich nicht euphorisch. Es hat sich vielmehr so selbstverständlich angefühlt: Das ist mein Baby, ich habe es gerade geboren. Ich hielt die Kleine vor mir im Wasser, damit ihr nicht kalt wird, während wir auf das Auspulsieren der Nabenschnur warteten. Mein Partner war ausserhalb der Wanne aber direkt bei uns. Ich war sehr glücklich darüber, dass unser Baby so friedlich und entspannt wirkte und nicht geschrien hat. Als die Nabelschnur durchtrennt war, kam sie aufs Bett auf den nackten Oberkörper meines Partners, mit einer Decke darüber.
Ich fand es sehr schön, dass mein Partner so ein paar Minuten mit ihr allein hatte und es war kein Problem für mich, noch in der Badewanne zu sein, um die Plazenta zu gebären. Anschliessend, als ich auch zu den beiden ins Bett kam, war es mir sehr wichtig, die Kleine so schnell wie möglich zu stillen – ich weiss gar nicht warum, aber das war mein wichtigster Gedanke. Es hat auch sofort und problemlos geklappt, und so ist das erste Foto entstanden, auf dem ich die Kleine stille. Dass sie dann gewogen und angezogen wurde, während ich vom Bett aus zusah, war eher komisch für mich. So ein kleines Wesen, so frisch auf der Welt, und soll schon Kleidung bekommen. Beim nächsten
Mal werde ich vielleicht darum bitten, dass das Baby erstmal nur mit einer Decke umwickelt wird. Für mich war die Geburt meiner Tochter ein wunderschönes, intensives Ereignis und ich habe Erinnerungen an einen friedlichen Geburtsraum mit Kerzen, Musik und gedämpftem Licht, an eine ganz besondere Atmosphäre.